Direkt zum Inhalt | Direkt zur Navigation

Benutzerspezifische Werkzeuge

This Logo Viewlet registered to Business4 Theme
Sie sind hier: Startseite / Echo der Presse / Von Radeberg über Helsinki nach China [2012]

Von Radeberg über Helsinki nach China [2012]

Von Radeberg über Helsinki nach China von Jens Fritzsche. SZ (Rödertal) vom 8. August 2012. Der Radeberger Computerfachmann Klaus Lehmann hat eine Software für China-Bibliotheken entwickelt. Die stellt er nun auf der Weltausstellung in Finnland vor. Mit Überraschungen.

Von Radeberg über Helsinki nach China

Von Jens Fritzsche

Der Radeberger Computerfachmann Klaus Lehmann hat eine Software für China-Bibliotheken entwickelt. Die stellt er nun auf der Weltausstellung in Finnland vor. Mit Überraschungen.

Klaus Lehmann ist vorbereitet: Am Freitag startet er mit extra neu gedruckten Aufstellern zur Weltausstellung der Bibliothekare nach Helsinki. Mit einer von ihm entwickelten Software im Gepäck, die für China-Bibliotheken gedacht ist. Foto: Thorsten Eckert

Er dürfte wohl der Exot auf dieser Weltausstellung sein. Zwischen all den Großen. Aber er ist vorbereitet: Klaus Lehmann aus Radeberg wird mit seinem Ein-Mann-Unternehmen am Freitag in die finnische Hauptstadt Helsinki starten, wo Sonntag die Weltausstellung der Bibliothekare beginnt.

Und der Radeberger wird nicht nur deshalb „der Besondere“ sein, weil er vielleicht das kleinste Unternehmen vertreten wird, sondern weil er auch wirklich ein besonderes Angebot unterbreiten kann: Der Radeberger Computer-Spezialist wird dort seine spezielle Software für Bibliotheken präsentieren, die sich mit Büchern in chinesischer, japanischer oder koreanischer Sprache befasst. Dafür gibt es in Europa einen Markt – auch in Deutschland gibt es Bibliotheken für asiatische Bücher –, aber kaum passende Software-Angebote. „Es gibt, soweit ich weiß, nur noch einen Anbieter aus Israel, der so etwas kann“, klingt der Radeberger Software- und Computer-Spezialist durchaus ein bisschen stolz.

Mit dieser Software können Bibliotheken Bücher verwalten, und Interessierte können sich im Internet erkundigen, welche Bücher in den Bibliotheken vorrätig sind. Und mit seiner Entwicklung begeistert der 2005 der Liebe wegen nach Radeberg Gezogene derzeit selbst Chinesen. Denn seine Software ist in der Lage, die exakt 27484 Zeichen sowohl des in Zentralchina genutzten Sprachzeichensystems als auch des in Taiwan genutzten Systems zu verarbeiten. Eine Sensation.

Und Klaus Lehmann hat zudem einen entscheidenden Vorteil für seine Kunden, wie er sagt: Er ist von Hause aus studierter Bibliothekar, hat zunächst in Westberlin und nach der Wende im wiedervereinten Berlin die Computertechnik städtischer Bibliotheken betreut. „Ich spreche die Sprache der Bibliothekare, weiß, was sie brauchen.“

Und er weiß auch, dass das komplizierte und speziell für Bibliotheken entwickelte deutsche Computerprogramm Allegro-C für die meisten Anwender viel zu unverständlich ist. Also hat er sich dieser Software angenommen, hat sie bearbeitet, einfacher gemacht und daraus ein System entwickelt, mit dem Bibliotheken recht einfach umgehen können. „Und ich habe die Software nun auch so bearbeitet, dass sie leicht alle Sprachen der Welt verstehen kann“, sagt er.

Auf der Weltausstellung in Helsinki will er sich aber zunächst mal vor allem mit seiner chinesischen Version präsentieren. „Ich habe mir extra neue Aufsteller drucken lassen, auf denen in Chinesisch zu lesen ist: Guten Tag Peking“, verrät Klaus Lehmann. Und er hat auch einen üppigen Vorrat an chinesischen Glückskeksen herstellen lassen; „die Asiaten lieben diese Kekse mit diesen kleinen Sprüchezetteln drin“, weiß er.

Ob er allerdings mit vollen Auftragsbüchern zurückkommen wird, weiß er noch nicht. „Und ich rechne auch nicht damit“, stellt er klar. „Erfolge von Messen dauern oft länger – in zwei, drei Jahren werden wir sehen, was sich daraus entwickelt.“ Eine Investition in die Zukunft, sagt er. Eine Investition dazu, die nicht gerade gering ist. „Ich musste einen sechs Quadratmeter großen Stand mieten – obwohl der viel zu groß ist; alles in allem kostet mich der Auftritt um die 8000 Euro“, verrät Klaus Lehmann.

Aber er nutzt das Ganze auch, „um endlich mal wieder Urlaub zu machen; seit fünf Jahren arbeite ich quasi durch.“ Und so nutzt er die Chance, gemeinsam mit seiner Frau anschließend noch eine Woche durch Finnland zu reisen. Eine Reise zu den Wurzeln. „Meine Mutter ist Finnin – Finnisch ist also meine Muttersprache“, sagt er.

Von Klaus Lehmanns Computer-Software sind übrigens seit Langem auch zahlreiche deutsche Bibliotheken begeistert. „Zu meinen Kunden, für die ich genau passende Programme entwickle, gehören durchaus renommierte Bibliotheken“, erklärt er. Das Deutsche Komponisten-Archiv in Dresden und auch die Ratsschulbibliothek Zwickau, in der Werke aus dem 14. Jahrhundert gelagert sind. Und seit Kurzem auch die viel beachtete DDR-Bibliothek des bekannten Schauspielers Peter Sodann in Staucha bei Riesa. Für ihn hat er die Software zur Katalogisierung der Bücher sogar kostenlos entwickelt. „Es geht hier ja um ein Stück Kulturgeschichte“, erklärt er – denn die Sodann-Bibliothek soll eine umfassende Sammlung sämtlicher Bücher werden, die zwischen dem 8.Mai 1945 und dem 9.November 1989 in der einstigen sowjetischen Besatzungszone und späteren DDR verlegt wurden. Über 250000 Buchtitel sind inzwischen mithilfe der Software des Radebergers katalogisiert.

Ab Sonntag dreht sich für Klaus Lehmann aber erst mal alles um China…