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„Was sollen die Täter denn mit diesen Adressen anfangen?“ [2014]

Start zur neuen Gesprächsreihe „Auf einen Kaffee mit…“ Heute sprechen wir mit PC-Fachmann Klaus Lehmann – der sich über die aktuelle Internet-Ausspäh- Panik wundert, wie er sagt. 27.01.2014 Von Jens Fritzsche. Am 3. Februar 2014 ebenfalls in der Kamenzer Ausgabe erschienen.

Die SZ trifft sich ab sofort regelmäßig auf einen Kaffee mit interessanten Menschen aus dem Rödertal, die Interessantes zu aktuellen Ereignissen zu erzählen haben. Und so macht der Radeberger Computer-Fachmann Klaus Lehmann den Anfang der neuen Reihe, denn in den vergangenen Tagen hatte ja das Ausspionieren von bis zu 16Millionen deutschen Internetadressen für reichlich Aufregung gesorgt. Der Radeberger allerdings hält die Aufregung für übertrieben. Im SZ-Gespräch sagt er, warum:

Herr Lehmann, eigentlich müssten Sie sich doch freuen: Jeder neue Computervirus, jede ausspionierte Internetadresse bringt Ihnen neue Kundschaft…

Naja, so würde ich das nicht sagen. Aber natürlich ist es schon spürbar, dass aktuell mal wieder jede Menge Panik verbreitet wird. Panik, die aus meiner Sicht aber nicht wirklich angebracht ist.

Das verwundert schon ein wenig: Immerhin sind 16Millionen deutscher Internetadressen ausspioniert und von Unbekannten geknackt worden…

Sagt wer?

Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik…

Genau. Das Amt, das auch vor einigen Jahren vollmundig erklärt hatte, ein Schutzprogramm gegen den sogenannten Bundestrojaner auf den Markt zu bringen, einen gefährlichen Virus. Passiert ist da aber nicht wirklich viel. Ich habe das Gefühl, das Amt will sich mal wieder ins Gespräch bringen. Und zur Zahl von 16Millionen geknackter Internetadressen: das ist ja bisher nur eine Hochrechnung. Ich sehe in Wirklichkeit eine wesentlich geringere Zahl.

Dennoch sind ja offenbar Zugänge geknackt worden.

Nun gut, aber es handelt sich hier ja einfach nur um Internetadressen, die wir ja sowieso überall angeben. Das ist quasi nichts anderes als unsere normale Postadresse. Was sollen die Täter denn wirklich mit diesen Adressen anfangen? Das ist doch so ähnlich wie vor Jahren, als alle Welt plötzlich aus vermeintlichen Datenschutzgründen die eigene Telefonnummer bei Anrufen unsichtbar machen wollte. Das Einzige, was dadurch passiert: Ich kann beispielsweise Kunden nicht zurückrufen, die hier anrufen, weil ich nicht sehe, wer es war… Ich bleibe dabei: Erst mal sollten wir dringend Ruhe bewahren – und man sieht ja auch, so schnell wie die Nachricht rausgeblasen wurde, ist sie auch schon wieder verschwunden.

Also gar nichts tun?

Nichts, was Computernutzer nicht sowieso tun sollten. Das Pflichtprogramm sozusagen. Heißt, immer mal vom Virenschutzprogramm den großen Suchlauf machen lassen, um Probleme zu erkennen. Und überhaupt stets auf einen gut geschützten Computer achten.

Wie finde ich denn das passende, das vielleicht beste Virenschutzprogramm?

In keinem Fall sollte man leichtfertig Aussagen aus dem Internet vertrauen, wenn es um die Qualität von Virenschutzprogrammen geht. Schließlich kann im Internet jeder schreiben, was er will. Und es ist auch nicht ausgeschlossen, dass vermeintliche Schutzprogramme genau das Gegenteil verursachen, wenn man sie leichtfertig herunterlädt. Am besten, also den EDV-Fachmann des Vertrauens zurate ziehen.

Abgesehen von Schutzprogrammen: Gibt es weitere Grundsätze, die Computer- und Internetnutzer beherzigen sollten, um ihren Computer zu schützen?

Kurz gesagt: Nicht auf alles klicken, was im Internet kostenlos erscheint. Und wie bereits gesagt, auch nicht alles glauben. Das gilt zum Beispiel auch, wenn man mal ein Problem mit einem Computerprogramm hat und man dann Rat bei diversen Problemlöser-Foren sucht. Dort gibt es dann auch das eine oder andere empfohlene Programm – aber nicht jeder Problemlöser löst tatsächlich Probleme, sondern manche bringen sie erst… Und wer es kann, sollte auch beim Computer Privates und Dienstliches trennen.

Wie meinen Sie das?

Wer die Möglichkeit hat, sollte sich – wenn er zu Hause arbeitet – einen Rechner für die Arbeit und einen fürs Private leisten. Das gilt dann natürlich auch für die Passwörter, die sollten nicht dieselben sein.

Apropos Passwörter, es heißt, man sollte regelmäßig neue „erfinden“…

Ich empfehle immer, für jeden Vorgang ein eigenes Passwort zu nutzen. Das geht natürlich nur, wenn man sich eine handgeschriebene Liste macht – also möglichst nicht als Datei im Rechner hinterlegen… Wenn ich also bei der Firma X im Internet einkaufe, dann nutze ich ein anderes Passwort, als wenn ich in einem bestimmten Forum unterwegs bin. Und es gibt auch Internet-Browser, die fragen den Nutzer, ob sie sich die Kennwörter merken sollen. Dazu sollte man aber unbedingt wissen, dass einige Browser diese Kennwörter dann in einer Datei abspeichern. Und wer weiß, wo diese Datei zu finden ist, der hat dann auch den Zugriff auf die Schweizer Bankkonten…

Auf einen Kaffee mit Klaus Lehmann. Der PC-Experte warnt vor übertriebener Panik wegen geknackter E-Mail-Adressen. Foto: W.Darrelmann

Auf einen Kaffee mit Klaus Lehmann. Der PC-Experte warnt vor übertriebener Panik wegen geknackter E-Mail-Adressen. Foto: Willem Darrelmann