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China-Bibliotheken mit Software aus Radeberg

"China-Bibliotheken mit Software aus Radeberg". Von Jens Fritzsche. SZ vom 1.2.2011 (Rödertalausgabe+Bischofswerda), Seite 15

China-Bibliotheken mit Software aus Radeberg

Wer an dem unscheinbaren Mehrfamilienhaus am Radeberger Ortsrand Richtung Kleinwolmsdorf vorbeifährt, vermutet nichts Sensationelles hinter der sandsteinfarbenen Putzfassade. Und doch tut sich durchaus Sensationelles im Obergeschoss des Hauses. Hier hat Klaus Lehmann seine Computer-Werkstatt – und hier hat er eine Software für deutsche Bibliotheken entwickelt, die sich mit Büchern in chinesischer, japanischer oder koreanischer Sprache befasst.

„Es gibt, soweit ich weiß, nur noch einen Anbieter aus Israel, der so etwas kann – ich denke, das ist schon eine kleine Sensation“, klingt der Radeberger Software- und Computer-Spezialist durchaus ein bisschen stolz. Mit dieser Software können die Bibliotheken ihre Bücher verwalten, und Interessierte können sich im Internet erkundigen, welche Bücher in den Bibliotheken vorrätig sind.

Kein Sprachgenie

Dabei sei er nicht gerade das, was man ein Sprachgenie nennt, sagt Klaus Lehmann bescheiden. Stimmt so auch eigentlich nicht, denn Klaus Lehmann spricht und schreibt neben Deutsch auch perfekt Finnisch und Englisch. „Ich bin zwar in Berlin geboren, meine Mutter ist aber Finnin, deshalb beherrsche ich auch diese doch sehr ausgefallene Sprache“, begründet er. Und mit Chinesisch, verrät er dann, hat er sich auch schon als Jugendlicher mal befasst. In Berlin, wo er aufgewachsen ist, besuchte er beim Filmfestival „Berlinale“ regelmäßig die Nachtvorstellungen, in denen chinesische Streifen in Originalsprache flimmerten. „Ich bin ein echter Filmfan, und Film ist Bildsprache, da braucht es eigentlich keine Übersetzung, wenn es gut gemacht ist“, sagt Klaus Lehmann.

Und dennoch: Wie kommt ein Mann, der 2005 der Liebe wegen nach Radeberg zog und sich hier mit einer Computerfirma selbstständig gemacht hat, auf die Idee, Bibliotheks-Software für asiatische Sprachen zu entwickeln? „Das liegt eigentlich nahe“, sagt Klaus Lehmann. Er ist von Hause aus studierter Bibliothekar, hat zunächst in Westberlin und nach der Wende dann auch im wiedervereinten Berlin die Computertechnik zahlreicher städtischer Bibliotheken betreut. „Ich spreche also die Sprache der Bibliothekare, weiß, was sie brauchen“, erklärt er. Und er weiß auch, dass das komplizierte und speziell für Bibliotheken entwickelte Computerprogramm Allegro-C für die meisten Anwender viel zu unverständlich ist. „Es gibt da ein Handbuch, für das man gut ein Jahr braucht, um es auch nur annähernd durchzulesen – vom Verstehen ganz zu schweigen“, frotzelt der Radeberger.

Also hat er sich dieser Software angenommen, hat sie bearbeitet, hat sie einfacher gemacht und hat daraus ein System entwickelt, mit dem Bibliotheken recht einfach umgehen können. Und er hat damit durchaus renommierte Bibliotheken begeistert, die nun zu seinen Kunden gehören und die er seit Jahren betreut: die Peter-Weiss-Bibliothek in Berlin Hellersdorf zum Beispiel, das Deutsche Komponisten Archiv in Dresden und auch die Ratsschulbibliothek Zwickau, in der Werke aus dem 14. Jahrhundert gelagert sind. Und zur Bibliothek des bekannten Schauspielers Peter Sodann in Staucha ist auch schon eine Kontaktaufnahme erfolgt, verrät er dann.

Seit 2007 gehört zudem eine Bibliothek zu Klaus Lehmanns Kunden, die keine deutschsprachigen Bücher betreut: die Moses-Mendelssohn-Bibliothek in Potsdam, „für die habe ich die Software in hebräischer Sprache entwickelt“, sagt er. Das war sozusagen der Anfang.

Schwierige Angelegenheit

Nun also Software in Chinesisch, Japanisch und Koreanisch. „Das Landesspracheninstitut Bochum hatte mich angerufen und gefragt, ob ich das könnte“, erzählt Klaus Lehmann. Er konnte. „Auch, wenn es nicht ganz so einfach ist, weil es ja im Chinesischen zum Beispiel keine wirklichen Buchstaben gibt, wie bei uns“, gibt er zu. Ein Alphabet gibt es nicht, dafür aber gut 30000 Wortschriftzeichen. „Wenigstens das“, atmet der Radeberger auf. Denn bei einer Milliarde Chinesen gibt es jede Menge verschiedener Sprachen; aber die Chinesen haben sich dennoch auf eine einheitliche und gemeinsame Schriftsprache geeinigt.

„Ein bisschen gedauert hat es schon, bis ich das alles umgewandelt und erarbeitet hatte, aber jetzt funktioniert’s“, freut sich Klaus Lehmann. Und weiß, dass es in Deutschland durchaus Bedarf an seiner Software gibt. „Jedes Land beschäftigt sich ja auch mit der Literatur und der Kultur anderer Länder, und so gibt es zahlreiche ostasiatische Bibliotheken in Deutschland“, sagt er. Und die können nun ihre Bücher, Filme und auch Bilder mit Software aus Radeberg ordnen und im Internet betreuen. Eine kleine Sensation, die sich da hinter der unscheinbaren Fassade des Hauses an der Kleinwolmsdorfer Straße abgespielt hat!

www.allegronet.de

aus der SZ vom 1.2.2011, Rödertalausgabe, Seite 15

Nachtrag von allegronet.de: nach Irrungen und Wirrungen hat es mit der Liebe doch noch geklappt -> Bärbel, meine Süße aus Bad Muskau. Eine Sächsin. Halt! Bad Muskau war mal preussisch! Also was nun? Jedenfalls: die Hochzeit fand im Schloß Klippenstein am 4.9.2009 statt. Zum Hochzeitsfilm geht es hier lang.