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Verlorene Erinnerungen

Fotos, Musik, Dokumente: Immer mehr persönliche Daten gibt es nur noch digital. Doch viele sichern sie nicht richtig. Von Tobias Hoeflich (SZ vom 9.12.2016 Seite 17 -sachsenweite Ausgabe).

Verlorene Erinnerungen

Fotos, Musik, Dokumente: Immer mehr persönliche Daten gibt es nur noch digital. Doch viele sichern sie nicht richtig.

Von Tobias Hoeflich (SZ vom 9.12.2016 Seite 17 -sachsenweite Ausgabe)

Tausende Fotos waren auf der externen Festplatte gespeichert. „Dann ist die Platte auf den Fußboden gefallen. Und das war’s“, sagt Klaus Lehmann, der eine PC-Werkstatt in Radeberg betreibt. Er habe fast zwei Tage gebraucht, um die Daten wieder herzustellen. „Die Besitzerin der Festplatte hat das über 300 Euro gekostet.“

Obwohl mit Fotos, Filmen, Musik oder Dokumenten immer mehr Dateien auf Computern lagern, beschäftigen sich viele nicht damit, sie auch zu sichern. Oder sie tun es erst, wenn‘s schon zu spät ist. Dabei lohnt es sich, um im Ernstfall nicht horrende Summen für die Rettung zu zahlen – sofern überhaupt etwas zu retten ist. Klaus Lehmann und André Wehnert vom Großröhrsdorfer Computerservice erklären, worauf es ankommt.

 

Was sind typische Ursachen für den Verlust von Daten?

Die externe Festplatte muss nicht einmal herunterfallen. Es kann schon reichen, dass sie im Betrieb umkippt und ihren Dienst einstellt. Auch ein Stromausfall oder Virusbefall kann Schäden verursachen. Nicht zuletzt ist Verschleiß ein Risiko: „Die Ausfallwahrscheinlichkeit innerhalb von 15 Jahren ist nahezu 100 Prozent“, schätzt Lehmann. Seine oberste Regel deshalb: „Die Daten sollten immer zweimal gesichert sein.“ Wichtig ist auch, die Speicherträger nicht am gleichen Ort zu haben: Steht das Haus in Flammen oder unter Wasser, nützt die Sicherung auf der externen Festplatte nichts, wenn sie im selben Zimmer wie der Computer steht.

 

Externe Platte, Stick oder CD: Welches Speichermedium ist das Beste?

Es gibt diverse Möglichkeiten, Daten von dem heimischen PC auf einem externes Medium zu sichern. USB-Sticks und SD-Karten scheiden für manche schon deshalb aus, weil sie zu geringe Speicherkapazitäten haben. Das gilt noch mehr für CDs und DVDs, die zusätzlich noch anfällig für Schäden sind und unlesbar werden.

Geläufig sind daher externe Festplatten, wobei zwischen HDD und SSD unterschieden wird. Lehmann empfiehlt Letztere: „Die kann auch mal herunterfallen, denn da drin ist nichts, was sich bewegt.“ Eine HDD besteht dagegen aus meist mehreren Magnetscheiben, die im Betrieb rotieren. Doch kosten die SSDs nicht nur mehr, schränkt Wehnert ein: „Eine Wiederherstellung ist auch schwieriger, wenn die SSD doch mal beschädigt ist.“

 

Kann ich meine Daten über eine Cloud ins Internet hochladen und sichern?

Anbieter wie Dropbox machen es möglich, Daten auf deren Server hochzuladen. Das hat den Vorteil, auch von anderen Computern aus darauf zugreifen zu können. Als Datensicherung („Back-up“) taugen diese „Clouds“ aber eher nicht, sind sich Lehmann und Wehnert einig.

„Ich weiß nicht, wo genau meine Daten lagern und muss meinem Anbieter vertrauen. Aber wenn ich an die NSA und Co. denke, habe ich meine Zweifel“, sagt Wehnert. „Und was passiert, wenn der Server-Betreiber pleite ist?“ Lehmann nennt auch ein ganz praktisches Problem: Gerade auf dem Land mangelt es an schnellem Internet. Dort größere Datenmengen hochzuladen, könnte nicht nur Stunden, sondern sogar Tage dauern.

 

Welches Programm ist für eine Datensicherung am besten?

Obwohl man Fotos und Co. auch selbst auf ein externes Medium übertragen kann, sollte ein Back-up-Programm auf dem Computer installiert sein, zum Beispiel Acronis oder Nero Backitup. Diese Programme speichern ganze Laufwerke als Abbild und sichern dadurch nicht nur Fotos und Co., sondern auch gleich das Betriebssystem, persönliche Einstellungen und Konfigurationen. Weil die bekannten Programme nach Lehmanns Meinung auch Schwächen haben, hat er selbst eines entwickelt: Allegronet-Backup.

Wie häufig Nutzer ihre Daten sichern, müssen sie selbst entscheiden – je nachdem, wie viel sich am Rechner geändert hat und wie wichtig die Änderungen sind. Statt einer zeitlich aufwendigen Komplettsicherung bieten sich laut Wehnert auch andere Möglichkeiten: Beim differenziellen oder inkrementellen Back-up wird die Komplettsicherung durch Teil-Back-ups ergänzt, die nur Daten sichern, die sich verändert haben oder neu hinzugekommen sind. Im Ernstfall wird aber die Wiederherstellung schwieriger, da die Sicherung nicht nur aus einer Gesamtdatei besteht, sondern aus mindestens zwei. Deshalb ist auch eine gute Dokumentation wichtig, wo was und mit welchen Programmen gesichert wurde, betont Lehmann.

 

Wenn doch der Ernstfall eintritt: Sind meine Daten noch zu retten?

Jeder Schaden ist ein Einzelfall, den es zu prüfen gilt. In der Regel sind die Daten, oder zumindest Teile davon, zu retten. „Ich habe vielleicht einen oder zwei Fälle im Jahr, wo nichts mehr geht“, sagt Lehmann. Der Aufwand kann mitunter aber enorm sein, die Kosten liegen mindestens im dreistelligen Bereich. „Letztlich muss jeder selbst wissen, ob ihm seine Daten das wert sind“, sagt Wehnert.