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Als Goldfisch im Haifischbecken -> hier 20 Jahre allegroWerkstatt und allegronet.de

Vor zehn Jahren kam Klaus Lehmann als Computer-Fachmann aus Berlin nach Radeberg. Und erlebte eine Überraschung. Jens Fritzsche von der SZ vom 16.12.2015 ("Gesichter der Wirtschaft")

Vor zehn Jahren kam Klaus Lehmann als Computer-Fachmann aus Berlin nach Radeberg. Und erlebte eine Überraschung.

Jens Fritzsche von der SZ vom 16.12.2015

 

Ein bisschen, sagt er, ein bisschen habe er sich plötzlich in Radeberg gefühlt, wie „ein Goldfisch im Haifischbecken“. Aber er hat überlebt … Klaus Lehmann hatte es der Liebe wegen vor genau zehn Jahren vom Westen Berlins nach Radeberg ganz im Osten Deutschlands verschlagen; und hier in Radeberg hatte er dann auch seine kleine Ein-Mann-Firma gegründet. Einen PC-Service, der sich um die Computersysteme von Privatleuten, aber auch Firmen kümmert. „Aber als ich dann den Gewerbeschein mit dem Stempel der Stadtverwaltung Radeberg in der Hand hielt, habe ich plötzlich erfahren, dass ich in Radeberg sozusagen von jeder Menge Fachleuten umringt war“, denkt Klaus Lehmann zurück.

Denn Radeberg war bekanntlich zu DDR-Zeiten ja so etwas wie die Computer-Schmiede im Osten gewesen. Nach der Fernseher-Produktion waren in den 1970er Jahren dann hier bei Robotron die Computersysteme für die DDR-Unternehmen entwickelt worden. „Aber es hat funktioniert, jetzt können wir Jubiläum feiern“, freut sich der längst in Radeberg heimisch gewordene Computer-Experte.

Die Entscheidung, nach Radeberg zu gehen, war also genau die richtige, sagt Klaus Lehmann mit Überzeugung. Wobei er vor 20 Jahren schon eine ganz andere, auf den ersten Blick sehr mutige Entscheidung hinter sich hatte. Denn der gebürtige West-Berliner, dessen Mutter aus Finnland stammt, war Beamter gewesen. In Westberlin hatte er als ausgebildeter Bibliothekar die Computer-Technik zahlreicher Bibliotheken zu betreuen. Und nach der Wende war er dann auch noch für die Technik der Bibliotheken in einigen Ost-Berliner Stadtbezirken mit verantwortlich. Er hätte sich also ausruhen können auf einer sicheren Position. „Ich war ein hoch bezahlter Berliner Beamter“, sagt er noch einmal. Aber das wollte er nicht mehr bleiben. „Es hat da massives Mobbing der Westdeutschen gegen die neuen ostdeutschen Kollegen gegeben, das hat mich einfach nur noch genervt – ich wollte und konnte da nicht mehr arbeiten“, sagt Klaus Lehmann; und er klingt noch immer richtig angefressen. Und so nahm Klaus Lehmann ein Angebot des Landes Berlin an. Die wollten nämlich teure Beamte loswerden; und zahlten fünf Jahresgehälter an alle, die freiwillig ausscheiden würden. „Das kam mir also gerade recht“, beschreibt Klaus Lehmann. Allerdings habe Berlin dann auch die eine oder andere bürokratische Stolperfalle bei diesem durchaus verlockenden Angebot eingebaut, fügt er an. Das Geld habe er jedenfalls nicht bekommen. Aber egal, findet er – „der erste Tag in der Freiheit sozusagen, war irgendwie toll“, kommt Klaus Lehmann noch heute ins Schwärmen. „Ich hatte etwas Geld zurückgelegt, gut 10 000 Mark waren das – damit habe ich mir dann etwas komplett Neues aufgebaut“, beschreibt er. In Radeberg. Mit einem Angebot, „auf dass ich mich nie eingelassen hätte, wenn ich auch nur geahnt hätte, wie viele Computer-Fachleute es hier eigentlich gibt…“ Also hat er dann für seinen Ein-Mann-PC-Service selbst gedruckte Werbe-Handzettel hinter Autoscheibenwischer auf dem Parkplatz am Einkaufszentrum an der Badstraße in Radeberg gesteckt. „Schritt für Schritt hat sich da wirklich etwas Tolles entwickelt“, sagt er. Sein Credo, das offenbar auch bei seinen Kunden bestens ankommt: „Ich richte die Technik so ein, dass sie sich möglichst um vieles weitgehend selbst kümmert.“ Zudem hat sich Klaus Lehmann längst auch einen Namen als Fachmann für die Behandlung schwieriger Computer-Viren gemacht. Und so hat er mittlerweile gut zu tun, in seinem kleinen Büro im ersten Stock an der Bahnhofstraße mit Blick auf den Eingang zur Radeberger Brauerei.

 

Der Mann für Peter Sodann

Aber ohne sein zweites Standbein hätte der Neu-Radeberger damals nicht überleben können. Und auch dieses zweite Standbein feiert in diesem Jahr Jubiläum. Das 20. nämlich. Denn seit 1995 hat Klaus Lehmann eine ganz besondere Computer-Software entwickelt. Damals hat er sich des etwas komplizierten, wie er sagt, und speziell für Bibliotheken entwickelten Computerprogramms namens allegro-C angenommen. Er hat diese Software bearbeitet, hat sie einfacher gemacht und daraus ein System entwickelt, das für jede Bibliothek ganz speziell angepasst werden kann. „Ich habe dabei einen riesigen Vorteil“, sagt der Radeberger – „ich spreche als studierter Bibliothekar die Sprache der Bibliothekare“. Er weiß also, was hinter dem einen oder anderen Fachbegriff steckt. „Und ich weiß auch, wie es den Mitarbeitern möglichst einfach gemacht werden kann, neue Titel einzupflegen oder schnell Titel zu finden“, fügt er an. Und er hat damit bereits auch zahlreiche durchaus renommierte Bibliotheken begeistert, die nun zu seinen Kunden gehören: die Landeskirche Sachsen in Dresden beispielsweise und auch die Ratsschulbibliothek Zwickau, in der Werke aus dem 14. Jahrhundert gelagert sind. Besonders stolz aber ist er darauf, auch die Bibliothek des bekannten Schauspielers Peter Sodann zu betreuen. Sodann hat in Staucha bei Riesa eine ungewöhnliche Bibliothek aufgebaut – er hat dazu in den vergangenen Jahren überall im Ostteil des wiedervereinten Landes aufgelöste Bibliotheksbestände übernommen, hat sich privater Sammlungen und nicht mehr Gewolltem aus Buch-Antiquariaten angenommen. Ziel ist eine umfassende Sammlung sämtlicher Bücher, die zwischen dem 8. Mai 1945 und dem 9. November 1989 in der einstigen sowjetischen Besatzungszone und späteren DDR verlegt wurden. Und weil Klaus Lehmann als Bücherfan dieses Projekt wichtig und reizvoll zugleich findet, hat er der Peter-Sodann-Bibliothek eine spezielle Software zur Computer-Katalogisierung der Buchbestände entwickelt. Und zwar kostenlos. Insgesamt sind es dabei mittlerweile über 30 Bibliotheks-Kataloge, die er im Internet betreut. Und auch Museen. „Seit einiger Zeit zum Beispiel das Schwule Museum Berlin, das kannte ich vorher noch gar nicht“, sagt der Radeberger.

Im „Haifischbecken“ Radeberg ist der einstige Berliner Klaus Lehmann jedenfalls längst heimisch geworden. „Es ist hier alles viel persönlicher als im großen Berlin“, sagt er. Als er seine Frau auf Schloss Klippenstein heiratete, „gratulierten uns eine Menge Leute – das war toll“, freut sich Klaus Lehmann. „Es ist schön, wenn man auf der Straße erkannt wird – das zeigt, dass man doch einiges richtig gemacht hat in den vergangenen Jahren“, sagt er mit einem Augenzwinkern.

Klaus Lehmann in seiner Computer-Werkstatt an der Bahnhofstraße. Er kann in diesem Jahr gleich zwei Firmen-Jubiläen feiern

(Bild: SZ von Thorsten Eckert)